Mittwoch, 20. August 2008
Food Synergy - Warum man ein Lebensmittel nicht auf die einzelnen Inhaltsstoffe beschränken sollte
Geschrieben von Korinna
um
16:38 Uhr
in Ernaehrung
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Einige der folgenden Empfehlungen werden Sie bestimmt schon gehört haben: Rotwein ist gesund wegen der Polyphenole. Eier enthalten viel vom guten Cholin, das das Brustkrebsrisiko senkt. Vollkorn ist gut wegen der Ballaststoffe, im Apfelextrakt steckt das Beste aus den Äpfeln. Man soll jeden Tag einen halben Liter Milch trinken, um den Kalziumbedarf zu decken. Lebensmittel mit niedrigem Glyx machen schlank. Beta Carotin und Vitamin E schützen als Antioxidantien vor Krebs. Functional Food ist Ernährung mit dem Zusatznutzen. Allen diesen Stoffen werden positive Wirkungen zugeschrieben. Die Werbung der Pharmaindustrie tut ihr Übriges, um uns Glauben zu machen, dass man "ohne" gar nicht mehr "gesund" bleiben kann.
Es gibt aber auch Wissenschaftler, die das komplett anders sehen. Einer von ihnen ist Epidemiologe David Jacobs von der University of Minnesota, dessen Ansätze in der ZEIT aufgegriffen wurden. Er nahm viele Studien unter die Lupe, bei denen die Wirkung eines einzelnen Nährstoffs auf den Menschen untersucht wurde und kam zu dem Ergebnis, dass die Verabreichung "bestensfalls wirkungslos" ist. (Studien, bei denen Raucher zur Krebsvorsorge isoliertes Beta-Carotin erhielten wurden abgebrochen, da die Probanden signifikant häufiger an Krebs erkrankten als die Kontrollgruppe.) Trotzdem gibt jeder dritte bis vierte Deutsche an, bewusst Vitamine zu supplementieren. Angereicherte Produkte, wie Frühstückscerealien oder Säfte, nicht mitgerechnet. Kein Wunder, schließlich gibt es auch Fachleute, die dazu raten.
Jacobs mahnt, die wichtigen "Matrix-Faktoren" nicht außer Acht zu lassen. Er ist überzeugt davon, dass man Lebensmittel als Ganzes betrachten muss und, dass die enthaltenen Substanzen nur in ihrem Zusammenspiel die erwünschte Wirkung entfalten, da sie sich gegenseitig beeinflussen. Diesen Effekt nennt er Food Synergy. Er rät dazu, möglichst unverarbeitete Nahrungsmittel zu bevorzugen. Seiner Theorie zu Folge hängt dies auch damit zusammen, dass die menschliche Verdauung sich in der Entwicklungsgeschichte an die verfügbaren Nahrungsmittel angepasst hat: An Obst, Gemüse, Getreide, Milch, Fleisch und Fisch. Ein Beispiel für diese Anpassungsfähigkeit ist die Tatsache, dass die meisten Europäer Milch heute auch noch im Erwachsenenalter vertragen. Vor 4000 Jahren war das noch nicht der Fall.
Die Matrix der Nährstoffe ändert sich mit dem Verarbeitungsgrad. Aber was sind unverarbeitete Nahrungsmittel? Wo zieht man die Grenze zwischen dem, was zur Zubereitung unvermeidbar ist und dem, was überflüssig ist? Marion Nestle von der Universität in New York rät in diesem Zusammenhang: "Vermeiden Sie alles, was mehr als fünf Inhaltsstoffe hat, es ist zu stark verarbeitet; alles, was Ihnen Gesundheit verspricht, denn das ist eine Täuschung; alles, was eine Zutat enthält, die Sie nicht aussprechen können - und alles, was eine Comicfigur auf der Packung hat, es wird an Ihre Kinder vermarktet." Es geht dabei nicht darum Chips, Schokoriegel oder Light-Getränke zu verbieten. Man möchte nur dazu auffordern neue "Lieblingsnahrungsmittel" zu entdecken. Man kann neben den aromatisierten Fruchtjoghurts ruhig mal einen Naturjoghurt kaufen, mit frischen Früchten verfeinern und vergleichen. Ein Nahrungsmittel ist mehr als die Summe seiner Inhaltsstoffe. Und der Genuss sollte - bei allem Gesundheitsbewusstsein - auf keinen Fall zu kurz kommen!



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