Freitag, 22. August 2008
Die Ampeldiskussion geht in die nächste Runde
Geschrieben von Melanie
um
10:24 Uhr
in Ernaehrung, Lebensmittel & Recht, Meinungen
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Am kommenden Donnerstag geht die Diskussion um die "Ampel" in Brüssel in die nächste Runde. Neben ausgewiesenen Interessensgruppen kommt dann auch der deutsche Ernährungspsychologe Prof. Volker Pudel zu Wort. Er soll beleuchten, inwieweit Übergewicht tatsächlich administrativ zu regulieren ist. Die Anhörung gilt als "Startschuss für die Meinungsbildung im EU-Parlament".
Die SPD Politikerin Dagmar Roth-Behrendt ist jetzt schon sicher, dass sie gegen die Ampel stimmen wird, weiß aber auch, dass viele ihrer Parteikollegen die andere Richtung bevorzugen. Als Begründung dafür gibt sie an, dass die Ampel einen willkommenen Rettungsanker darstellt, da die EU-Mitgliedsstaaten vor der Aufgabe stehen der zunehmenden Fettleibigkeit Herr zu werden. Fakt sei, dass aktuell bereits 5% des Gesundheitsbudgets allein für die Behandlung von Folgeerkrankungen der Fettleibigkeit verwendet würden. Der klare Vorteil einer Ampelkennzeichnung sei unbestritten, dass sie die Staatsausgaben schont, da sie die Verantwortung für Aufklärung und Deklaration an die Lebensmittelwirtschaft übergibt.
Seehofer scheint passend zur Anhörung zumindest tendeziell einen Richtungswechsel vorzunehmen, denn er, der die Ampel als klare Volksverdummung mit dem Hinweis darauf, dass man Lebensmittel nicht einfach in gute und schlechte einteilen könne, verurteilt, spricht neuerdings von einem "einheitlichen Signalwert für Farbe" und von "Colour Coded". Eine zusätzliche Farbkennzeichnung seines "4+1"-Modells dürfte jedoch die ohnehin nur marginalen Unterschiede zur Ampel nahezu vollständig eleminieren. Roth-Berendt hat für derlei Ränkespiele nur wenig Verständnis: "Mir fehlt die Fantasie, ob die senkrechte Ampel oder die waagerechte der Colour-Coded-GDA den Unterschied macht."
Während BLL Geschäftsführer Loosen das Verständnis für den Richtungswechsel Seehofers fehlt, erfährt der jetzt Unterstüzung von der EU Verbraucherschutzorganisation BEUC, die sich durch neue Verbündete eine stärkere Durchschlagskraft der Ampel in den anderen EU Ländern erhofft.
Alles in allem, sieht es nicht so aus, als sei eine schnelle Lösung aus Brüssel zu erwarten und während die Politik sich auf eifrige Diskussionen einlässt. Nimmt der Markt das Ruder selbst in die Hand. Neben Deutschland, Großbritannien und Schweden hat sich mittlerweile auch in Holland eine Kennzeichnung relativ weit verbreitet. Der Branchenführer hat ein Kleeblatt Siegel etabliert, das Verbraucher über Produkte mit wenig gesättigten Fettsäuren oder wenig Salz informiert. Hinzu kommt, dass einzelne Handelsketten ihre ganz eigenen Kennzeichnungen realisieren. So kann es eigentlich kaum verwundern, dass die Mehrheit der Verbraucher von den Angaben auf den Verpackungen völlig überfordert ist.
Was neben einiger Verwirrung bleibt, ist unter anderem die Frage, ob die Umsetzung einer einheitlichen Kennzeichnung tatsächlich realistisch ist, oder ob es sich dabei eher um reine Symbolpolitik handelt. Roth-Behrendt hält den Ansatz einer einheitlichen Farbregelung für alle 27 EU-Staaten auf jeden Fall für "naiv". Sie geht davon aus, dass grade angesichts der Diskussion um mehr Eigenständigkeit der EU-Staaten grade diese Einheitlichkeit kaum vorstellbar sei.
Quelle: Lebensmittelzeitung (LZ 34/22.08.2008)



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