Donnerstag, 11. September 2008
Qualität hat ihren Preis.
Geschrieben von Melanie
um
16:03 Uhr
in Ernaehrung
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Gerade haben wir noch berichtet, dass die steigenden Rohstoffpreise dazu führen, dass Hersteller bei den Inhaltsstoffen auf Alternativen zurückgreifen, da kommt aus der Schweiz die Anregung (ein wenig mit dem Holzhammer) auch mal anders herum zu denken. Gar nicht so unberechtigt, wie wir finden. Und unterhaltsam geschrieben noch dazu.
Alles ist wichtig, nur das Essen nicht!
"Ein Produkt hat einen Preis. Wer diesen Preis nicht bezahlen will, erhält auch nicht das Produkt, das er kaufen möchte. Drängt er trotzdem auf dieses Produkt, stellt er den Hersteller vor die Alternative: Verzicht oder Fälschung. Eine Kalbsbratwurst aus Schweinefleisch ist keine Kalbsbratwurst. So wenig ein Ferrari mit einem Cinquecento-Motor ein Ferrari ist."
[...] "Beim Ferrari-Fake würden die Alarmglocken sofort schrillen, die Entrüstung ob des Versuchs, einen Kunden in die Pfanne zu hauen, wäre grenzenlos. Beim Essen dagegen braucht es viel mehr, bis der Topf des Erträglichen überläuft. Einerseits hat man sich seit langem damit abgefunden, die Ernährung – anders als ein Automobil der tatsächliche Antrieb des Lebens – der Industrie zu überlassen, andererseits ist es der Mehrheit wurscht, womit sie ihren Organismus malträtiert: Hauptsache, kostengünstig. Über Mittag drückt man sich beim Gehen ein bisschen Treibstoff ins Gekröse, in der einen Hand das Handy, in der andern ein Sandwich. Alles ist wichtig, nur das Essen nicht. Auto und Garderobe, Sonne und Surfen – da bleibt wenig übrig, um seinem Körper Nahrung zuzuführen, die ihn nicht nur mit Fett und Fasern, sondern auch mit Wohlbefinden erfüllt. Manche wären gewiss glücklich, könnten sie mit der Muttermilch ein Hamsterpolster im Körper aufbauen und dann ein Leben lang davon zehren."
[...] "Ein Kalb zu züchten, braucht mehr Aufwand als Schweinemast. Man kann ein Gericht mit synthetischen Aromen und kosmetisch aufgeblasenem Beigemüse aufpeppen, aber aus einem Schwein wird trotzdem nie ein Kalb. Wer nicht bereit ist, den Preis für ein adäquates Produkt zu bezahlen, aber darauf besteht, dieses Produkt trotzdem zu erwerben, wird eine Fälschung erhalten. Das macht auch gar nichts, denn die Mehrheit der Bevölkerung scheint die Täuschung dem Authentischen vorzuziehen, die Kopie dem Original. Der äusserliche Glanz reicht offensichtlich aus, um sich in einer Event- und Plastikwelt wohlzufühlen."
[...] "Damals (1943, Anm. der Redaktion) gab ein durchschnittlicher Haushalt noch die Hälfte seines Einkommens für Lebensmittel aus. Heute sind es nicht einmal mehr zehn Prozent. Die Ansprüche haben sich gewandelt. Bald werden wir panierte Protoplasmastäbchen statt Wiener Schnitzel verdrücken."
Das sollte man sich wirklich mal in Ruhe auf der Zunge zergehen lassen.



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