Artikel mit Tag kinderernährung
Mittwoch, 27. Januar 2010
Zerfallende Familien – dicke Kinder? Studie zu sozialen Ursachen von Übergewicht und Adipositas
Geschrieben von Melanie
um
11:41 Uhr
in Ernaehrung
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Übergewicht und Fettleibigkeit bei Kindern und Jugendlichen haben in den vergangenen Jahren in den Industriestaaten zugenommen, auch in Deutschland. In der Regel werden die Ursachen auf individuelles Fehlverhalten zurückgeführt: Zu viel, zu "fett", zu "süß", zu wenig Bewegung, und Übergewicht ist quasi vorprogrammiert. Wissenschaftler des Instituts für Sozialwissenschaften der Universität Stuttgart spannten den Bogen weiter. In einer auf fünf Jahre angelegten Studie erforschten sie die sozialen Ursachen von Adipositas. Sie kamen zu dem Ergebnis, dass dicke Kinder auch eine Folge der gesellschaftlichen Modernisierung sind und dass Übergewicht maßgeblich durch das Auseinanderfallen sozialer und kultureller Strukturen begünstigt wird. Auf der einen Seite durch die Folgen der Überflussgesellschaft und auf der anderen Seite durch das Zerfallen der Familie. Die Forscher fordern daher ein radikales Umdenken in der Behandlung des Problems. Statt Kindern und Jugendlichen (meist erfolglos) Verhaltensänderungen aufzuzwingen, sollte den Rahmenbedingungen für passiv-konsumtive Freizeitgestaltung und Überernährung entgegengewirkt werden.
Im Rahmen des Projekts wurden über 50 Einzelursachen für Übergewicht und Fettleibigkeit identifiziert. Drei zentrale Faktoren konnten identifiziert werden:
- Die individuellen Dispositionen und Gewohnheiten des Einzelnen.
- Die Lebensbedingungen der Überflussgesellschaft, in der energiereiche Lebensmittel jederzeit zur Verfügung stehen und eine Vielzahl technischer Produkte, die die Bewältigung des Alltags ohne große Kraftanstrengung ermöglichen.
- Ein häufig problemverschärfendes familiäres Umfeld, das Kinder und Jugendliche nur unzureichend auf diese Lebensbedingungen vorbereitet, Kenntnisse zur Etablierung eines gesunden Lebensstils nur mangelhaft vermittelt und die Kinder häufig sich selbst überlässt.
"Was die Kinder in Anbetracht der hoch technisierten Überflussgesellschaft vor allem brauchen, ist die Fähigkeit, kompetente Entscheidungen zu treffen und diese regelgeleitet - und wenn nötig selbstdiszipliniert - zum Wohle ihrer Gesundheit umzusetzen. Diese Fähigkeiten werden normalerweise im Elternhaus erlernt", so der Stuttgarter Sozialwissenschaftler Dr. Michael Zwick. Der Strukturwandel seit den 1970er Jahren habe allerdings zu wachsenden Erziehungsdefiziten geführt, sei es durch auseinander fallende Familien, durch die berufsbedingte Abwesenheit der Eltern oder auch nur durch asynchrone Zeitabläufe der einzelnen Familienmitglieder, mit der Folge, dass Kinder oft sich selbst überlassen sind. "In den betroffenen Familien isst jeder, salopp gesagt, wann, wo und was er will, und die Freizeitgestaltung folgt dem selben Muster", so Zwick. Bei vielen Kindern und Jugendlichen genießt die Mediennutzung eine hohe Anziehungskraft; häufig seien Computer und Spielkonsole attraktiver als das Spiel im Freien, wozu aber auch ein wenig kind- und bewegungsgerechtes Umfeld beitragen kann.
Abmagerungskuren versprechen schon allein aufgrund der eingeschliffenen Verhaltensmustern und einem Umfeld, das Übergewicht eher fördert als es auf seine Verringerung einwirkt, nur wenig Erfolg. Einmal verlorene Pfunde sind schnell wieder drauf und werden meist von ein paar weiteren begleitet. Erschwerend kommt hinzu, dass "Problem-Familien" von Appellen und Kampagnen in der Regel nicht erreicht werden und das Problembewusstsein hier in der Folge sehr gerring ist.
Die Wissenschaftler fordern, dass Präventionsmaßnahmen an mehreren Punkten gleichzeitig ansetzen, da es in der Regel einfacher ist, die Rahmenbedingungen, in welche die Handlungen eingebettet sind, zu ändern, als die häufig tief verankerten Gewohnheiten. Neben vielen anderen Vorschlägen, traten die sie auch entschieden für die nach wie vor umstrittene Ampel-Kennzeichnung besonders fett- oder zuckerhaltiger Lebensmittel ein. Dabei geht es ihnen weniger darum, dass Konsumenten diese Kennzeichen nutzen, um ihr Einkaufverhalten zu ändern, sondern vielmehr um die indirekte Wirkung. Denn Firmen können es sich ihrer Meinung nach nicht leisten, viele rote Produkte im Regal zu haben, so dass hier, so hoffen sie, direkter Einfluss auf die Herstellung von Lebensmitteln genommen werden kann. Sie verweisen dabei darauf, dass dieser Trend zur Veränderung des Angebots hat sich beispielsweise auch in Großbritannien gezeigt hat, wo die Auszeichnungspflicht nach dem Ampel-Modell vorgeschrieben ist. Last but not least gilt es, zu überlegen, welche gesellschaftlichen Institutionen geeignet sind, die familialen Erziehungsdefizite auszugleichen.
Weitere Informationen gibt es direkt bei: Dr. Michael Zwick, Institut für Sozialwissenschaften/ Abteilung Technik- und Umweltsoziologie, Tel. 0711/685-83972, e-mail zwick@soz.uni-stuttgart.de
Mittwoch, 3. Dezember 2008
Schulobst ab 2009/10 von der EU finanziert
Geschrieben von Korinna
um
17:25 Uhr
in Ernaehrung, Lebensmittel & Recht
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Wie bei der Ernährungs-Umschau zu lesen ist, soll ab Beginn des neuen Schuljahres Schulobst kraft einer EU-Verordnung EU-weit subventioniert werden. 90 Millionen Euro sollen für die Obstversorgung bereit gestellt werden, die Hälfte davon trägt die EU, über den Rest der Finanzierung entscheiden die Mitgliedsländer. Zuschüsse aus Wirtschaft oder Elternbeiträgen können die öffentlichen Gelder vergrößern.
Was auf den ersten Blick nach einer Menge Geld für gesunde Ernährung klingt, reicht allerdings nur für eine Portion Obst pro Kind in der Woche. Erste Kritiker aus der Landwirtschaftspolitik sprechen sich aus diesem Grund für höhere Unterstützung aus. Die Bundesagrarministerin Aigner betont indes, dass die Gelder bereits für gute Initiativen ausreichen.
Es kann sein, dass es sich bei den Zuschüssen um den berüchtigten Tropfen auf den heißen Stein handelt. Für die Schüler kann man aber hoffen, dass die Verantworlichen an den Schulen die Gelegenheit ergreifen und durch Kooperationen mit anderen Stellen wirklich versuchen, den Schülern eine gesündere Ernährung schmackhaft zu machen
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