Artikel mit Tag unterschichtdebatte
Mittwoch, 6. August 2008
Macht die Ernährung der "Unterschicht" die "Unterschicht" erst möglich?
Geschrieben von Melanie
um
15:55 Uhr
in Ernaehrung
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Die Debatte darüber, ob Armut zu schlechter oder vielmehr ungesunder Ernährung führt, oder ob ungesunde Ernährung zu Armut führt ist, so skurril das anmuten mag, noch nicht ausdebattiert. Friedrich Schorb, Mitarbeiter am Zentrum für Sozialpolitik, Bremen, hat dazu in der TAZ einen interessanten Kommentar geschrieben. Hier ein paar Auszüge...
"Ein Viertel der Kinder in Deutschland leben in Armut, stellt der Armutsbericht fest. Die Benachteiligungen, die daraus resultieren, sind vielfältig: Isolation, psychische Probleme, schlechter Gesundheitszustand, schlechte Schulleistungen, geringe Aufstiegschancen. Nahe liegend wäre es, den schlechteren Ernähungszustand von Kindern aus Armutshaushalten als eine Folge ihres gesellschaftlichen Ausschlusses zu sehen(...)
Nicht die Gesellschaft, die das Auseinanderdriften von Arm und Reich zulässt, ist für die rekordverdächtige Kinderarmut verantwortlich: Die Armen selbst haben das Elend in Form von Chips und Cola in ihre Kinder hineingestopft! Wodurch sie, so (CDU Oswald Anm. d. Redaktion) Metzgers Konsequenz, jeden moralischen Anspruch auf eine materielle Verbesserung ihrer Lage verwirkt haben(...)
Besonders emotional wird der Zusammenhang von Verhalten und Armut derzeit am Beispiel der Ernährung diskutiert. Doch obwohl die Vertreter der "Unterschichtskultur" falsche Ernährung für eine zentrale Ursache von Armut halten, stehen für die Betroffenen selbst meist dringlichere Alltagsprobleme im Vordergrund. Wer nicht weiß, wie er die nächste Stromrechnung bezahlen soll, hat andere Sorgen, als seinen Cholesterinspiegel oder seinen Vitaminhaushalt ins Lot zu bringen. Zudem sind die Ausgaben für Ernährung - im Gegensatz zu vielen anderen Haushaltsposten - dehnbar und werden entsprechend als Puffer eingesetzt. Arme Menschen bemühen sich darum, die Umwelt ihre missliche Lage nicht anmerken zu lassen. Kleidung, Handy und die Teilhabe an sozialen Ereignissen haben Vorrang vor Ausgaben für Lebensmittel.
Hungern muss niemand in Deutschland. Falsche Ernährung sei daher vorrangig eine Frage des Bewusstseins, und an dem mangele es den Betroffenen, monieren Kritiker eines vermeintlich zu generösen Sozialstaats. Doch auch diese Behauptung hält der Überprüfung nicht stand. Wahr ist nur der erste Satz - und auch nur für Erwachsene."
Mehr? Den ganzen Artikel gibt es hier auf TAZ.de, "Das Essen der anderen".



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